Hinweis Anlass Segantini – Zeitungsbericht Referat Marco Giacometti und das Bergell

Sonntag, 25. September 2016, Musiksalon Hof Ragaz: Empfehlung des Grand Resort:

Gespräch mit Diana Segantini:
2016 09 25 Gespräch Diana Segantini Flyer aktualisert mit Essen

 

Zeitungsbericht Anlass Bergell mit Dr. Marco Giacometti, 21.9.2016:

Das Bergell: die Heimat einer Künstlerdynastie

Am ersten Vortragsabend der neuen Saison der Kulturellen Vereinigung Bad Ragaz hielt Dr. Marco Giacometti im Kursaal ein spannendes Referat über die Persönlichkeiten der Künstlerfamilie Giacometti sowie deren Heimat – das Bergell.

von Hans Hidber

Bad Ragaz. – Für Bruno Della Santa, neues Vorstandsmitglied der Kulturellen Vereinigung, war es sein erster Auftritt als Moderator eines Vortragsanlasses. Er stellte den Referenten, Dr. Marco Giacometti aus Stampa im Bergell kurz vor: Er ist Mitbegründer des Vereins Amici del Centro Giacometti und Präsident der Fondazione Giacometti in Stampa und unterrichtet in Phil. II-Fächern an der Bergeller Sekundarschule in Stampa. Der Referent betonte einleitend, dass er nicht vertieft auf die Kunststile und Werke der Exponenten dieser Künstlerdynastie eingehen wolle, sondern auf deren Biografien, Charakterzüge, persönliches und soziales Umfeld, ihr verwandtschaftliches Beziehungsgeflecht und nicht zuletzt auf das Bergell als ihre Heimat.

 

Eine inspirierende Landschaft

Marco Giacometti erläuterte vorerst die landschaftlichen Eigenarten und Schönheiten des Bergells zwischen dem Oberengadin und Chiavenna, unterlegt mit traumhaften Bildern. Das Tal ist schon geologisch kontrastreich: Die schroffen Granit- Felswände des Pizzo Casnile und Pizzo Badile auf der südlichenTalseite, sanftere Formen und Schiefer im Norden. Ein unglaubliches Farbenspektrum vor allem im Herbst, viel Licht und Schatten, das Harte und Schroffe auf der einen, das eher Weiche auf der anderen Talseite haben auch die Bevölkerung geprägt. In dieser gab und gibt es zwei Gruppierungen: Alteingesessene Bergbauern auf ihren kleinen, kärglichen Höfen, und Rückwanderer, die in der Fremde zu Wohlstand gekommen waren (zum Beispiel Zuckerbäcker) und sich in ihrer alten Heimat repräsentative Bauten oder Ferienresidenzen leisten konnten. Am Beispiel der Künstlerfamilie Giacometti ist aber auch offensichtlich, dass dieses einzigartige Tal vor allem auf Malbegabte inspirierend wirken musste.

 

Weitverzweigte Künstlerfamilie

Aus der Giacometti-Familie gibt es nicht weniger als sechs Künstlerpersönlichkeiten, die an verschiedenen Orten in der Schweiz und im übrigen Europa gewirkt und im Friedhof San Giorgio bei Borgonovo die gemeinsame letzte Ruhestätte gefunden haben: Giovanni, Augusto, Zaccharia, Alberto, Diego und Bruno. Der Referent zeigte anhand der Stammbäume das verwandtschaftliche Beziehungsgeflecht auf und fokussierte sich dann auf die drei Exponenten: Giovanni (1868 – 1933), Maler und Grafiker, Schüler von Giovanni Segantini; Augusto (1877 – 1977), herausragender Maler, Erneuerer der Glasmalerei und Schöpfer monumentaler Wandmalereien sowie Alberto (1901 – 1966)

Bildhauser, Maler und Grafiker der Moderne, der bereits zu Lebzeiten Weltruhm erlangte. Er dürfte in der Kunstwelt mit seinen charakteristischen dünnen Skulpturen, die heute an Auktionen Millionenbeträge erzielen, wohl der berühmteste Vertreter der Giocometti-Künstlerdynastie sein.

 

Berührender Abschluss

Der Referent wusste viele Details aus dem Leben und künstlerische Wirken der drei porträtierten Giacomettis zu erzählen, auch von ihren verschiedenen Charakterzügen und persönlichen Beziehungen sowie ihren wechselnden Kunststilen im Lauf der Jahre. Der Abschluss seiner Ausführungen galt aber ganz Alberto Giacometti in dessen letzter Lebensphase, die in einem von Schauspielern nachgestellten Film, aus dem er zwei Kurzszenen zeigte. Alberto, der die meiste Zeit in Paris verbrachte, wurde von den dortigen Medizinern im Glauben gelassen, sie hätten ihm «nur» ein Magengeschwür herausoperiert, derweil es ein bösartiger Tumor war. Alle, auch seine Frau, wussten davon, nur er nicht. Eine der Szenen zeigt den dramatischen Moment, wo er die Wahrheit erfährt. Er starb 1966 im Kantonsspital Chur.