{"id":1084,"date":"2023-03-24T07:42:58","date_gmt":"2023-03-24T07:42:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=1084"},"modified":"2023-03-24T07:43:00","modified_gmt":"2023-03-24T07:43:00","slug":"charlie-chaplin-humorvolle-humanitaet-der-zeitungsbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=1084","title":{"rendered":"Charlie Chaplin &#8211; Humorvolle Humanit\u00e4t: der Zeitungsbericht"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Charlie Chaplin: Humorvolle Humanit\u00e4t<\/strong>, Bericht von J\u00fcrg Kesselring, Sarganserl\u00e4nder vom 24.3.23<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Am Mittwoch, 22. M\u00e4rz 2023, fand im Kursaal der Grand Resorts Bad Ragaz die letzte Veranstaltung der Kulturellen Vereinigung dieser Saison statt: ein Gespr\u00e4ch mit Eugene Chaplin<\/strong><strong> \u00fcber \u00ab<\/strong><strong>Leben und Werk meines Vaters Charlie Chaplin\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Eugene Chaplin ist das f\u00fcnfte Kind von Oona O\u2019Neill und Charlie Chaplin. Mit sieben Geschwistern wuchs er in Corsier-sur\u2013Vevey auf. Er ist Tontechniker und Dokumentarfilmer, war lange als k\u00fcnstlerischer Direktor des&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Circus_Nock\">Circus Nock<\/a>&nbsp;t\u00e4tig, ist Pr\u00e4sident des&nbsp;<em>Internationalen Comedy Film Festival von&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vevey\"><em>Vevey<\/em><\/a>&nbsp;und betreut das&nbsp;<em>Chaplin&#8217;s World \u2013 The Modern Times Museum<\/em>, das 2016 im ehemaligen Schweizer Wohnsitz der Familie in&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Corsier-sur-Vevey\">Corsier-sur-Vevey<\/a>&nbsp;er\u00f6ffnet wurde. In diesem Haus hatten er und die Familie die heitersten Momente ihres Lebens verbracht.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Im Gespr\u00e4ch mit William Kent, dem Projektleiter von \u00abChaplin\u2018s World\u00bb, illustriert mit eindr\u00fccklichen Bildern aus den privaten Alben und aus bekannten Filmen, gab Eugene Chaplin au\u00dfergew\u00f6hnliche Einblicke in die Arbeit und das Leben seines Vaters. Renato Bergamin, der Pr\u00e4sident der Kulturellen Vereinigung fasste auf Deutsch zusammen. Daniela Keller, langj\u00e4hriges Vorstandsmitglied der Kulturellen Vereinigung nannte in ihrer Einf\u00fchrung den von Chaplin erfundenen und verk\u00f6rperten \u00ab<em>Tramp<\/em>\u00bb mit seinen \u00fcbergrossen Hosen und Schuhen, zu enger Jacke, biegsamem Bambusst\u00f6cklein in der Hand und zu kleiner&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Melone_(Hut)\">Melone<\/a>&nbsp;auf dem Kopf, aber mit den Manieren und der W\u00fcrde eines&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gentleman\">Gentleman<\/a>s, die liebensw\u00fcrdigste Figur der Filmgeschichte: ein Mann mit Seele.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; In seiner Biographie berichtet Chaplin, dass er sich zur Vorbereitung eines Films einen Schnauz angelegt habe, weil er \u00e4lter wirken wollte, aber dieser musste klein sein, damit er nicht seine Mimik verbarg. Seinem Sohn erz\u00e4hlte er, dass sein Trampkost\u00fcm auf einer Londoner B\u00fchne entstanden sei, als er f\u00fcr einen Komiker einspringen sollte, der viel gr\u00f6sser war als er und einfach dessen Kleider anzog. Sein typischer Watschel-Gang war die Konsequenz seiner gro\u00dfen Schuhe. \u201eDer Spazierstock steht f\u00fcr die W\u00fcrde des Menschen\u201c, sagte Chaplin einmal zu seiner Idee des&nbsp;<em>Tramps,<\/em>&nbsp;\u201eder Schnurrbart f\u00fcr die Eitelkeit, und die ausgelatschten Schuhe f\u00fcr die Sorgen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Seine kreativen Arbeiten sind immer inspiriert von den Erlebnissen und Erfahrungen in der schwierigen Kindheit und Jugend im armen East London. \u201eAlle meine Filme bauen auf der Idee auf, mich in Schwierigkeiten zu bringen, damit ich mich nachher verzweifelt ernsthaft darum bem\u00fchen kann, als normaler kleiner&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gentleman\">Gentleman<\/a>&nbsp;aufzutreten.\u201c In dieser Rolle wurde Chaplin immer als der Gute, der Nette, der Kleine wahrgenommen, der sich aber trotzdem nicht unterkriegen lie\u00df und zum Schluss nichts hat, ausser seiner W\u00fcrde und dies ist sehr viel! Darin k\u00f6nnen auch wir uns mit unseren Alltagssorgen wiederfinden. Chaplins Filme sind optimistisch und enden hoffnungsvoll, auch wenn sie oft eine traurige Geschichte mit vielen Schwierigkeiten erz\u00e4hlen. Dies ist auch ein Teil des Geheimnisses seiner Popularit\u00e4t bis heute, seiner Unsterblichkeit: weil wir alle ein bisschen Charlot in uns haben. Humor als beste Methode, um Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und ihre Auswirkungen zu \u00fcberwinden. \u00abEiner schl\u00e4gt sich st\u00e4ndig mit dem Hammer auf den Daumen, wird nach dem Grund daf\u00fcr gefragt und sagt: Weil es sich so gut anf\u00fchlt, wenn ich damit aufh\u00f6re\u00bb. Es kommt eben immer auf die Interpretation der Geschehnisse an und an dieser sind wir immer pers\u00f6nlich beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Chaplin arbeitete, sein Sohn sagt: \u00abwie jeder Clown\u00bb sehr seri\u00f6s und diszipliniert. Obwohl er nie zur Schule gegangen war oder Musikunterricht genossen hatte, \u00fcbte und spielte er jeden Tag mehrere Stunden Musik. Von seinen Kompositionen sind \u00fcber 900 Minuten Auff\u00fchrungsdauer registriert. Den Kindern und wohl auch vielen seiner Bekannten und G\u00e4sten, denen er begegnete, zeigte er die Bedeutung von Bildung auf: nicht einfach als angesammeltes und aufgestautes Wissen, sondern als M\u00f6glichkeit, in der schwierigen Umwelt besser zu bestehen. Eigentlich immer ein Ansporn zum Lernen mit seinen eigenen F\u00e4higkeiten und M\u00f6glichkeiten und diese laufend zu verbessern. In seiner Einladung zur Bildung war er eben genial und \u00fcbte sie nicht als Tyrann aus. F\u00fcr ihn gab es drei wirkliche Genies, die er alle pers\u00f6nlich gut kannte: Churchill, Einstein und die Rum\u00e4nische Pianistin Clara Haskil, die er sehr unterst\u00fctzte. Einstein sagte einmal zu ihm: \u00abSie sagen ja gar nichts und alle verstehen und lieben Sie\u00bb, da antwortete Chaplin: \u00abInteressant: und Sie sprechen, aber keiner versteht Sie und kann Sie trotzdem gernhaben\u00bb. Im Manoir le Ban lebte die Familie schon auch in einer gewissen Art Blase, wie Eugen ausf\u00fchrte: sehr harmonisch, sodass er erst bei seiner ersten Freundin merkte, dass es Streit nicht nur in Filmen gibt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Es war ein wunderbarer Abend! Der Kulturellen Vereinigung ist herzlich zu danken, dass es ihr gelungen ist, einen so interessanten und bescheiden wirkenden Gast einzuladen, der solch wertvolle Einblicke in sein privates Leben und dasjenige seines ber\u00fchmten Vaters gab, von denen wir alle f\u00fcr unseren Alltag, in dem wir manchmal auch Schwierigkeiten begegnen, profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcrg Kesselring<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charlie Chaplin: Humorvolle Humanit\u00e4t, Bericht von J\u00fcrg Kesselring, Sarganserl\u00e4nder vom 24.3.23 Am Mittwoch, 22. 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