{"id":311,"date":"2015-12-14T07:49:50","date_gmt":"2015-12-14T07:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=311"},"modified":"2015-12-14T07:49:50","modified_gmt":"2015-12-14T07:49:50","slug":"premiere-ausgezeichnete-szenische-lesung-der-zeitungsbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=311","title":{"rendered":"Premiere: (ausgezeichnete) szenische Lesung &#8211; der Zeitungsbericht"},"content":{"rendered":"<h3>Mit der Drogen-M\u00e9tro zum H\u00f6llentor<\/h3>\n<p>Sarganserl\u00e4nder vom 14. Dezember 2015<\/p>\n<p>Am letzten Vortragsabend dieses Jahres betrat die Kulturelle Vereinigung Bad Ragaz mit einer szenischen Lesung mit zwei renommierten Schauspieler \u00fcber den Briefwechsel zwischen Andreas Walser und Ernst Ludwig Kirchner Neuland.<br \/>\nvon Hans Hidber<br \/>\nBad Ragaz.- Briefwechsel einfach selber zu lesen oder von professionellen Schauspielern szenisch im Dialog vorgetragen zu bekommen, sind zwei ganz verschiedene Welten, besonders, wenn es sich um eine dramatische Lebensgeschichte handelt. Dabei ging es eigentlich um ein Dreiergeflecht: Andreas Walser, Pfarrerssohn aus Chur (1908 \u2013 1930), der als Zwanzigj\u00e4hriger nach Paris zog, um K\u00fcnstler zu werden; die junge Sopranistin B\u00e4rby Hunger, mit der ihn eine tiefe, allerdings platonische Freundschaft verband (Walser war homosexuell), und der bekannte, in Davos lebende Expressionist Ernst Ludwig Kirchner als v\u00e4terlicher Freund und Mentor des jungen, vielversprechenden K\u00fcnstlers. Graziella Rossi und Helmut Vogel, zwei \u00fcber die Landesgrenze bekannte Schauspieler, gaben den drei Briefkontrahenten ihre Stimme.<\/p>\n<p>\u00abH\u00f6r auf mit dem verdammten Gift\u00bb<br \/>\nAndreas Walser, dessen Hochbegabung f\u00fcr die Kunst nebst Ernst Ludwig Kirchner auch Picasso auffiel, war auf dem besten Weg, in der Pariser Kunstszene einen herausragenden Platz einzunehmen. Der in den jungen K\u00fcnstler verliebte Jean Cocteau, bekannter franz\u00f6sischer Schriftsteller und Maler, vermittelte ihm die n\u00f6tigen Kontakte; sodass ideale Voraussetzungen f\u00fcr eine steile K\u00fcnstlerkarriere bestanden h\u00e4tten. H\u00e4tten \u2013 w\u00e4re da nicht die kunst- und lebensvernichtende starke Drogensucht gewesen. Um dieses Thema drehte sich der sich inhaltlich immer dramatischer zuspitzende Briefwechsel. \u00abH\u00f6r auf mit dem verdammten Gift\u00bb, mahnte Kirchner, der als \u00abMorphinist\u00bb selber einmal den Drogen verfallen war, den jungen K\u00fcnstler eindringlich und empfahl ihm, auf station\u00e4ren Entzug zu gehen \u2013 doch vergebens. Walser versuchte zwar, von den Drogen wegzukommen, schwindelte seinen Mentor zwischendurch auch an, er sei jetzt \u00absauber\u00bb. B\u00e4rby wandte sich in mehreren Briefen hilfesuchend an Kirchner, nachdem sich Walser langsam genierte, diesem selber die Wahrheit zu schreiben.<\/p>\n<p>Fahrt in Richtung H\u00f6llentor<br \/>\nMit zunehmender Dramatik trugen Graziella Rossi und Helmut Vogel die Brieftexte vor; auf der Leinwand waren als optische Unterst\u00fctzung die betreffenden Passagen der erhaltenen Originalbriefe und Karten sowie Kunstwerke Walsers zu sehen. Die beiden Vortragenden schl\u00fcpften so glaubhaft in die Rollen der drei Schreibenden, dass der Eindruck entstand, diese authentisch reden zu h\u00f6ren. Die wechselnde Stimmung Walsers zwischen Begeisterung und Depression, die Hilferufe B\u00e4rbys und die immer eindringlicheren Bem\u00fchungen Kirchners, den jungen K\u00fcnstler vor dem totalen Absturz zu bewahren, kamen so ausdruckstark daher, wie dies bei einer \u00abgew\u00f6hnlichen\u00bb Lesung nie m\u00f6glich w\u00e4re. Doch alle Liebesm\u00fch war schliesslich umsonst. \u00abIch bin mit der M\u00e9tro in Richtung \u201aPorte d\u2019Enfer\u2018 (H\u00f6llentor) gefahren und habe mein Ziel nicht verfehlt. Ich bin jung zu den alten Toten gekommen, die nicht den Mut hatten, fr\u00fcher zu gehen\u00bb, verabschiedete sich der erst 22-J\u00e4hrige mit seinen letzten Zeilen von dieser Welt.<\/p>\n<p>Hervorragend inszeniert<br \/>\nDie beiden Schauspieler haben auf eindr\u00fcckliche Weise den toten Buchstaben Leben eingehaucht und die verschiedenen Stimmungslagen von Ruhmsucht und Todeswunsch, Begeisterung und Verzweiflung dramaturgisch umgesetzt. Andreas Walsers Werk, entstanden in nur knapp zwei Jahren, wurde erst 1981 auf einem Pariser Estrich entdeckt, nachdem es mehr als 50 Jahre verschlossen blieb.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kulturellevereinigung.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Foto-Rossi-Vogel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-312\" src=\"http:\/\/kulturellevereinigung.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Foto-Rossi-Vogel-300x206.jpg\" alt=\"Foto Rossi Vogel\" width=\"300\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Foto-Rossi-Vogel-300x206.jpg 300w, https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Foto-Rossi-Vogel-1024x703.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Foto: Hans Hidber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Drogen-M\u00e9tro zum H\u00f6llentor Sarganserl\u00e4nder vom 14. Dezember 2015 Am letzten Vortragsabend dieses Jahres betrat die Kulturelle Vereinigung Bad Ragaz mit einer szenischen Lesung mit zwei renommierten Schauspieler \u00fcber den Briefwechsel zwischen Andreas Walser und Ernst Ludwig Kirchner Neuland. von Hans Hidber Bad Ragaz.- Briefwechsel einfach selber zu lesen oder von professionellen Schauspielern szenisch &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=311\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Premiere: (ausgezeichnete) szenische Lesung &#8211; der Zeitungsbericht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-311","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/311","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=311"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/311\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":313,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/311\/revisions\/313"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}