{"id":455,"date":"2017-02-02T15:29:14","date_gmt":"2017-02-02T15:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=455"},"modified":"2017-02-02T15:29:14","modified_gmt":"2017-02-02T15:29:14","slug":"zeitungsbericht-gespraech-mit-hermann-hesses-enkel-silver","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=455","title":{"rendered":"Zeitungsbericht Gespr\u00e4ch mit Hermann Hesses Enkel Silver"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Erinnerungen an \u00abNonno\u00bb Hermann Hesse<\/strong><\/h3>\n<h5>An einem weiteren Vortragsabend der Kulturellen Vereinigung Bad Ragaz erz\u00e4hlte Silver Hesse, Enkel seines ber\u00fchmten Grossvaters Hermann Hesse, im Gespr\u00e4ch mit Dr. Martin Keller von seinen Erinnerungen an den \u00abNonno\u00bb und auch \u00fcber dessen Lebenswerk.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>von Hans Hidber<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bad Ragaz. \u2013 Das Portr\u00e4t des Schriftstellers, Dichters und Malers Hermann Hesse (1877 \u2013 1962) auf der grossen Leinwand im Kursaal zog den Blick der Eintretenden unwillk\u00fcrlich auf sich. Hesse, wie man ihn auch aus anderen Darstellungen kennt: Hager, mit randloser Brille, asketisch und nachdenklich wirkend. An diesem Abend ging es nicht darum, n\u00e4her auf seine bekannten Werke wie etwa \u00abDer Steppenwolf\u00bb, \u00abDas Glasperlenspiel\u00bb oder \u00abSiddhartha\u00bb einzugehen, sondern wie der ber\u00fchmte Literat und Nobelpreistr\u00e4ger von seinem Umfeld als Mensch wahrgenommen wurde. Sein Enkel, Silver Hesse (75), Architekt ETH und Raumplaner und seit 2003 voll mit der Betreuung des umfangreichen literarischen Nachlasses befasst, erz\u00e4hlte im Gespr\u00e4ch mit Dr. Martin Keller von seinen Erinnerungen an seinen in Montagnola (in der N\u00e4he von Lugano) lebenden \u00abNonno\u00bb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00abEin ganz gew\u00f6hnlicher Grossvater\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>In seiner Kindheit war ihm, so Silver Hermann, nicht bewusst, einen so ber\u00fchmten Grossvater zu haben. Er war f\u00fcr ihn \u00abein ganz gew\u00f6hnlicher Grossvater\u00bb, den er als herzlich und liebenswert erlebte. Da dessen Wohnsitz in Montagnola im Tessin damals fast eine Tagesreise weit entfernt war, fielen die Besuche eher sp\u00e4rlich aus. Daf\u00fcr korrespondierte er schon fr\u00fch mit seinem Nonno. Dieser schrieb auch seine pers\u00f6nlichen Briefe immer mit der Schreibmaschine mit dem meist ausgelaugten Farbband. Silver wollte es ihm gleichtun und hat schon als Neunj\u00e4hriger seine Botschaften an Hermann Hesse auf der \u00abHermes-Baby\u00bb seines Vaters Heiner getippt. Anl\u00e4sslich einer Projektwoche des Lehrerseminars in der N\u00e4he von Montagnola habe er von seinem Deutschlehrer die Erlaubnis erhalten, seinen Grossvater eines Tages zu besuchen. \u00abEndlich durfte ich ihn einmal ganz f\u00fcr mich haben und einen Tag mit ihm verbringen.\u00bb Dem Ansinnen des Deutschlehrers, Privates preiszugeben, habe er widerstanden und musste daf\u00fcr bis Ende Seminar mit schlechteren Deutschnoten b\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Schl\u00fcsselerlebnis<\/strong><\/p>\n<p>Sein damals 82-j\u00e4hrige und noch recht r\u00fcstige Nonno habe mit ihm eine Wanderung in der n\u00e4chsten Umgebung unternommen und ihm alle Pflanzen und B\u00e4ume in der reichen s\u00fcdlichen Vegetation erkl\u00e4rt. \u00abMein Schl\u00fcsselerlebnis aber war, dass er sich lebhaft daf\u00fcr interessierte, wie ich als Junger die Welt und den Sinn des Lebens sehe und empfinde, was mir wichtig sei und welche Pl\u00e4ne ich habe\u00bb, erinnert sich Silver an diese erste exklusive Begegnung. \u00abZum ersten Mal in meinem Leben f\u00fchlte ich mich ernstgenommen.\u00bb Sein Nonno habe auch sonst immer einen guten Draht zur jungen Generation gehabt. Eine Erinnerung der traurigen Art war das Begr\u00e4bnis des am 9. August 1962 verstorbenen Grossvaters. Silver war aus der RS und in Uniform angereist und hat den Sarg von der Wohnung zur Grabstelle mitgetragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literat und Maler mit vielen Facetten<\/strong><\/p>\n<p>Sein Gespr\u00e4chspartner Martin Keller entlockte Silver Hesse im Verlaufe des Abends auch manche Aussagen \u00fcber das famili\u00e4re Umfeld des ber\u00fchmten Schriftstellers, Dichters und Malers; seine H\u00f6hen und Tiefen, die nicht immer einfachen Beziehungen zu seinen Ehefrauen, auch \u00fcber seine Freundschaft mit Thomas Mann sowie \u00fcber die politische Ausrichtung im eher linken Spektrum, das ihm viele Anfeindungen und auch Verleumdungen eintrug. Beim Malen fand er seine Entspannung: \u00abDas Malen ist wundervoll, das befreit von der verfluchten Willenswelt\u00bb, sagte er einmal. Und seine etwas pessimistische Einsch\u00e4tzung des menschlichen Verhaltens zeigt sich im Zitat: \u00abDie meisten Menschen sind wie ein fallendes Blatt, das weht und dreht sich durch die Luft, und schwankt, und taumelt zu Boden. Andre aber, wenige, sind wie Sterne, die gehen eine feste Bahn, kein Wind erreicht sie, in sich selber haben sie ihr Gesetz und ihre Bahn.\u00bb Und gefragt, welchen Einstieg in die Gedankenwelt Hermann Hesses er seinen eigenen Enkeln empfehlen w\u00fcrde, meinte Silver Hesse: \u00abDie gesammelten Briefe vermitteln den unmittelbarsten Eindruck in die Gef\u00fchlswelt und Philosophie von Hermann Hesse.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnerungen an \u00abNonno\u00bb Hermann Hesse An einem weiteren Vortragsabend der Kulturellen Vereinigung Bad Ragaz erz\u00e4hlte Silver Hesse, Enkel seines ber\u00fchmten Grossvaters Hermann Hesse, im Gespr\u00e4ch mit Dr. Martin Keller von seinen Erinnerungen an den \u00abNonno\u00bb und auch \u00fcber dessen Lebenswerk. &nbsp; von Hans Hidber &nbsp; Bad Ragaz. \u2013 Das Portr\u00e4t des Schriftstellers, Dichters und Malers &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=455\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zeitungsbericht Gespr\u00e4ch mit Hermann Hesses Enkel Silver<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-455","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=455"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/455\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":456,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/455\/revisions\/456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}