{"id":463,"date":"2017-03-04T10:46:22","date_gmt":"2017-03-04T10:46:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=463"},"modified":"2017-03-04T10:46:22","modified_gmt":"2017-03-04T10:46:22","slug":"zeitungsbericht-peter-gysling-25-jahre-seit-dem-zerfall-der-udssr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=463","title":{"rendered":"Zeitungsbericht Peter Gysling: 25 Jahre seit dem Zerfall der UdSSR"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geduld mit Russland ist angesagt<\/strong><\/p>\n<p>Peter Gysling, langj\u00e4hriger Radio- und TV Korrespondent und heute freier Medienschaffender, hielt im Rahmen der Vortragsreihe der Kulturellen Vereinigung Bad Ragaz im Kursaal einen spannenden Vortrag \u00fcber die Entwicklung Russlands nach dem Zerfall der Sowjetunion.<\/p>\n<p>von Hans Hidber<\/p>\n<p>Bad Ragaz. \u2013 Dass am Mittwochabend im Kursaal der letzte Stuhl herbeigeschafft werden musste, war ein deutliches Zeichen f\u00fcr das grosse Interesse am Vortrag des bekannten, langj\u00e4hrigen Moskau-Korrespondenten Peter Gysling (1950) mit dem Titel \u00ab25 Jahre nach dem Verfall der UdSSR\u00bb. Ursula Wyss vom Vorstand der Kulturellen Vereinigung streifte einleitend kurz die Eckdaten des journalistischen Werdegangs des prominenten Referenten: 1986 \u2013 1990 Deutschland-Korrespondent von Radio DRS in der hochspannenden Zeit der deutschen Wiedervereinigung, 1990 \u2013 1994 erlebte er als Moskau-Radiokorrespondent die dramatischen letzten Jahre der Sowjetunion und ihres Zerfalls. Anschliessend arbeitete Gysling als Produzent der Tagesschau, Auslandreporter und Moderator beim Schweizer Fernsehen; ab 2008 bis 2015 wirkte er wieder als Moskau Korrespondent des SRF. Seine Reportagenreisen f\u00fchrten ihn regelm\u00e4ssig in die verschiedensten Gebiete des ehemaligen Riesenreiches der Sowjetunion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manchmal kommt es anders<\/strong><\/p>\n<p>\u00abPassiert einmal etwas Besonderes und selbst f\u00fcr Insider \u00dcberraschendes, werden in den Medien postwendend schon am Tag darauf Analysen und Erkl\u00e4rungen verbreitet\u00bb, so der Referent. Dabei gehen auch f\u00fcr Unvorhergesehenes Entwicklungen voraus, die nur durch langes Beobachten erkennbar waren. Wer h\u00e4tte mit dem raschen Fall der Berlinermauer oder auch mit dem Zerfall der Sowjetunion im Eiltempo gerechnet? Im Nachhinein hatten es nat\u00fcrlich alle \u00abExperten\u00bb geahnt oder gewusst. Aus gewissen Situationen, Handlungen oder Ereignissen voreilige Schl\u00fcsse zu ziehen, habe sich in der Vergangenheit schon oft als falsch erwiesen, ganz nach dem Motto \u00abManchmal kommt es anders, als man denkt.\u00bb Der Referent hat Jelzin, Gorbatschow und dann auch Putin mit ihren verschiedenen Charakteren aus n\u00e4chster N\u00e4he erlebt. Wer kommt einmal nach Putin, und wie pr\u00e4gt sein Nachfolger das Weltgeschehen mit? Niemand kann es wissen, so wenig wie kaum jemand damit rechnete, dass in den USA ein Typ wie Trump Pr\u00e4sident w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Erbe der Sowjetunion<\/strong><\/p>\n<p>Eine vom Referenten kommentierte grosse Landkarte zeigte, welche riesigen Dimensionen das \u00a0autorit\u00e4r und im Einparteiensystem regierte Imperium der UdSSR mit den 15 Unionsrepubliken aufwies. Die etwas hastige Einf\u00fchrung der freien Marktwirtschaft durch die weitgehende Privatisierung der Staatsbetriebe brachte indessen nicht den erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung. Aus den grossen Kolchosen entstanden viele Kleinbauernbetriebe, denen es an technischen Ger\u00e4ten mangelt; ausserdem waren die Kolchose-Angestellten auf irgendeinen Spezialbereich getrimmt und nicht \u00abGeneralisten\u00bb eines ganzheitlichen Landwirtschaftsbetriebes wie etwa in der Schweiz. Von der Privatisierung profitierten nur wenige, ohnehin schon bisher Bessergestellte, die sich lukrative Staatsbetriebe vor allem im Energiebereich (\u00d6l und Gas) unter die N\u00e4gel rissen und als \u00abOligarchen\u00bb zu unermesslichem Reichtum kamen. Dann gibt es \u00fcber 100 sogenannte \u00abMonost\u00e4dte\u00bb mit riesigen, aber v\u00f6llig einseitigen, meist maroden oder stillgelegten Industriekomplexen mit unz\u00e4hligen Arbeitslosen ohne Perspektiven.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hoffnung auf die junge Generation<\/strong><\/p>\n<p>Der Referent ging n\u00e4her auf die Hintergr\u00fcnde der Konflikte mit der Ukraine sowie die Annexion der Krim ein. Bez\u00fcglich das Leben in Russland heute wies Gysling auf die Diskrepanz zwischen den Grossst\u00e4dten und den l\u00e4ndlichen Gegenden hin. \u00abIn den Grossst\u00e4dten wie Moskau, St. Petersburg und anderen herrscht pulsierendes Leben mit 24 Stunden und 7 Tagen ge\u00f6ffneten Gesch\u00e4ften, Leuchtreklamen in allen Farben und Unterhaltungslokalen jeder Art.\u00bb. Aber ausserhalb dieser St\u00e4dte habe sich das triste Umfeld kaum ge\u00e4ndert. Fehlende Diversifizierung, \u00d6lpreis im Keller, Kosten des Engagements in der Ukraine, Beamten- und Justizwillk\u00fcr, die EU-Sanktionen und die Korruption nannte der Referent als Gr\u00fcnde f\u00fcr die wohl noch etliche Jahre andauernde wirtschaftliche Stagnation. Eine Hoffnung ist die junge Generation: \u00abSie ist gut ausgebildet, weltoffen und steht f\u00fcr bisher unterbliebene Modernisierungen.\u00bb Es gebe deshalb durchaus auch positive Perspektiven f\u00fcr die Zukunft \u2013 nur m\u00fcsse man dazu die n\u00f6tige Geduld aufbringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geduld mit Russland ist angesagt Peter Gysling, langj\u00e4hriger Radio- und TV Korrespondent und heute freier Medienschaffender, hielt im Rahmen der Vortragsreihe der Kulturellen Vereinigung Bad Ragaz im Kursaal einen spannenden Vortrag \u00fcber die Entwicklung Russlands nach dem Zerfall der Sowjetunion. von Hans Hidber Bad Ragaz. \u2013 Dass am Mittwochabend im Kursaal der letzte Stuhl herbeigeschafft &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=463\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zeitungsbericht Peter Gysling: 25 Jahre seit dem Zerfall der UdSSR<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-463","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=463"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":464,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions\/464"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}