{"id":629,"date":"2018-11-05T07:06:00","date_gmt":"2018-11-05T07:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=629"},"modified":"2018-11-20T08:03:28","modified_gmt":"2018-11-20T08:03:28","slug":"einladung-zum-vortrag-was-koennen-wir-von-afrika-lernen-16-11-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturellevereinigung.ch\/?p=629","title":{"rendered":"Zeitungsbericht &#8222;Was k\u00f6nnen wir von Afrika lernen&#8220;?"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Afrika \u2013 eine andere Welt <\/strong><\/h3>\n<p><em>Ein \u00fcberaus bildungspolitischer Vortrag stand bei der Kulturellen Vereinigung in Bad Ragaz vergangene Woche auf dem Programm. Patrik W\u00fclser, ehemaliger Afrikakorrespondent des Schweizer Radios, berichtete facettenreich \u00fcber den schwarzen Kontinenten. <\/em><\/p>\n<p>von Angela Adank<\/p>\n<p>F\u00fcr den Vorstand, der im Publikum sass, und durch Marco Della Santa als Begr\u00fcssungsredner auf der B\u00fchne vertreten wurde, war es eine Ehre den charismatischen \u00abSRF-Mann aus Afrika\u00bb erstmals in Bad Ragaz willkommen zu heissen. W\u00e4hrend sechs Jahren n\u00e4mlich, von 2011 bis 2017, lebte Patrik W\u00fclser mit seiner Frau und seinem Sohn, Moritz, in Nairobi. Als SRF-Afrika-Korrespondent war er nicht nur vor Ort, sondern auch in weiteren 46 afrikanischen L\u00e4ndern f\u00fcr eine aktuelle Radio-Berichterstattung verantwortlich. Unter dem Titel \u00abAfrika gibt es nicht und was wir von diesem Kontinent lernen k\u00f6nnen\u00bb referierte der Redaktor im Quellenhof \u00fcber die wirtschafts-und bildungspolitische Problematik Afrikas sowie auch \u00fcber seine pers\u00f6nlichen Erfahrungen. Ein Vortrag, der zusammenfassend ein eher d\u00fcsteres Bild ablieferte und zum Nachdenken anregte, und dennoch oder gerade trotzdem, ein grosses Sympathie-Bekenntnis von W\u00fclser an Afrika war.<\/p>\n<p><strong> Afrika gibt es nicht<\/strong><\/p>\n<p>Afrika sei nicht einfach nur eine schwarze Masse, wo alles gleich sei, im Gegenteil, mit seinen vielen ethnischen Kulturen, den 1`000 Sprachen, den weit mehr als 800 Millionen Menschen die sich auf einer Fl\u00e4che von \u00fcber 30 Millionen Quadratkilometer verteilen, k\u00f6nne nicht alles in einen Topf geworfen werden, meinte W\u00fclser einleitend. Wie unterschiedlich Afrika sein kann, vermittelte der Radio-Journalist anhand einer kurzen und pers\u00f6nlichen Bildershow. \u00abIch hatte keinen Schreibtischjob in Kenia, sondern war oft unterwegs und berichtete stets \u00fcber das, was ich auch selber sah \u00bb. Und der Afrika-Mann sah vieles und erlebte einige Abenteuer. Einerseits waren da die grossen politischen Unruhen in Mogadischu, die kompromisslosen Wahlen in Burundi und die Rohstoffgier von Rebellen und R\u00e4ubern, welche die sch\u00f6ne H\u00fcgellandschaft des Ostkongos zu einer der gef\u00e4hrlichsten Gegenden macht. Andererseits berichtete W\u00fclser in dieser Zeit auch \u00fcber die grosse Armut, die vielerorts vorherrscht, \u00fcber die Ebola-Epidemie, welche Liberia in den Ausnahmezustand versetzte, die grossen D\u00fcrren im Hochland \u00c4thiopiens, die riesigen Abfallprobleme mit denen der Kontinent zu k\u00e4mpfen hat, \u00fcber missliche Zust\u00e4nde in Fl\u00fcchtlingslagern und einiges mehr.<\/p>\n<p><strong>Mehr Gelassenheit lernen<\/strong><\/p>\n<p>\u00abTrotz diesen bitterlichen Umst\u00e4nden gab es immer wieder viel zu lachen w\u00e4hrend meines Aufenthaltes \u00bb, betonte W\u00fclser. Humor und eine grosse Hilfsbereitschaft pr\u00e4gten seinen Alltag, der alleine schlichtweg nicht bew\u00e4ltigbar gewesen w\u00e4re. Das Leben glich aber oftmals auch einer emotionalen Achterbahn, betonte W\u00fclser. Dank dem hohen Wohlstand in der Schweiz seien wir unseren Privilegien kaum mehr bewusst, meinte W\u00fclser sachlich und f\u00fcgte an: \u00abHier scheint alles wie bei einer Modelleisenbahn, die frisch ge\u00f6lt ist, zu laufen und dennoch herrscht in der Bev\u00f6lkerung eine grosse Unzufriedenheit \u00fcber die Kleinigkeiten des Alltags\u00bb. Mehr Gelassenheit und ein gr\u00f6sseres Verantwortungsbewusstsein f\u00fcr das Miteinander ist etwas, was die westliche Zivilisation auch von Afrika lernen kann.<\/p>\n<p><strong>300 Jahre Entwicklungszeit <\/strong><\/p>\n<p>Was W\u00fclser w\u00e4hrend seines Referats beleuchtete, kam auch w\u00e4hrend den engagiert gestellten Fragen seitens des Publikums immer wieder zur Sprache: Die Problematik, weshalb es den afrikanischen Staaten auch nach 60 Jahren der Unabh\u00e4ngigkeit nicht gelingt, ihre L\u00e4nder frei von Machtgier, Krieg und Korruption zu regieren und die Lebensbedingungen zu verbessern. Die Antwort darauf scheint schwierig und komplex zu sein, wie W\u00fclser zu verstehen gab. \u00abEin Historiker aus Afrika erkl\u00e4rte mir einmal, dass in Europa vor 300 Jahren \u00e4hnliche Bedingungen vorherrschten und der westliche Wohlstand nicht vom Himmel gefallen sei.\u00bb Afrika sei nicht nur klimatisch benachteiligt sondern brauche auch Zeit sich zu entwickeln, hielt W\u00fclser fest. Er ist, trotz allem, positiv gestimmt und glaubt an die Zukunft des schwarzen Kontinenten, die ganz in den H\u00e4nden einer jungen, nachkommenden Bev\u00f6lkerung liegt. A propro Jugend, was habe denn Moritz besonders gefallen w\u00e4hrend seiner Zeit in Afrika, wollte Della Santa abschliessend wissen. \u00abEs ist eine ganz andere Welt, in der ich anderes gesehen und erlebt habe\u00bb, antwortete der 11j\u00e4hrige Junge so simpel wie \u00fcberzeugend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Afrika \u2013 eine andere Welt Ein \u00fcberaus bildungspolitischer Vortrag stand bei der Kulturellen Vereinigung in Bad Ragaz vergangene Woche auf dem Programm. 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