Zeitungsartikel zum Architekturvortrag von Maurus Frei, 28.3.2018

Zuerst Modelle, dann Pläne

Am letzten Vortragsabend dieser Saison der Kulturellen Vereinigung Bad Ragaz
gab der Bündner Architekt Maurus Frei (Chur und Zürich) interessante Einblicke in den langwierigen Prozess bei der Realisation grösserer Bauprojekte von der Idee bis zur Vollendung.

von Hans Hidber

Bad Ragaz. – Wer im Vorfeld des Vortrags nur den Titel «Bauen in den Alpen» gelesen hat, dachte vielleicht an architektonische Vorzeigebeispiele von Alphütten oder Ferienwohnungen im Gebirge.

Nichts von alledem: «Die Alpen beginnen in Chur», erklärte der in Müstair und Domat Ems aufgewachsene Referent, Architekt Maurus Frei, Inhaber der Maurusfrei Architekten AG mit 40 Mitarbeitenden in Chur und Zürich. Er ist auch Dozent für Entwurf und Konstruktion an der HTW in Chur. Was ihm besonders wichtig ist – wie er anhand verschiedener Beispiele zeigte – die Anpassung an die Umgebung und bestehenden Bauten. Wie kann man zum Beispiel einen Neubau neben einem historischen Gebäude so gestalten, dass sie sich gegenseitig nicht stören, sondern im Gegenteil bereichern? In der Natur ist nichts fadengerade. So würde etwa ein kubischer Block schlecht zur Nachbarschaft eines naturhaften, verspielten Parks passen. Frei zeigte unter anderem eine geglückte Überbauung beim Park des «Duc de Rohan» in Chur. Die sanften, geschwungenen Linien der Fassaden sind ein Markenzeichen seiner Architektur-Philosophie auch bei anderen Bauten.

«Bauherren zu Komplizen machen»

«Die Bauherrschaft soll sich frühzeitig ein plastisches Bild über unsere Ideen machen können», so der Referent. Sterile Grundrisse und Schnitte können kaum Emotionen wecken. Viel aussagekräftiger sind Modelle mit Einbezug der Umgebung. «Da kann man beim Au8ftreggeber Freude und Begeisterung wecken und ihn gleichsam an die Hand nehmen und durch die weiteren Entwicklungsprozesse führen», weiss Frei aus Erfahrung. Bauprojekte sollen nicht nur aus dem Gesichtswinkel der Funktionalität und allfälliger Rendite betrachtet werden, ist für den Architekten ein wichtiges Anliegen. «Anhand eines Modelles kann man die Freude eines Auftragsgebers an einer ästhetischen und auch etwas verspielten Form einer Baute wecken», ist der Architekt überzeugt. Beispiele dafür kann der Projektverfasser und Generalplaner genug vorweisen. Selbst reine Zweckbauten wie die Bahnhoferweiterung in St. Moritz oder die Tal- und Bergstation der Jakobshornbahn verströmen einen Charme, der sich von tristen 08/15 Objekten deutlich abhebt.

Der Neubau der Somedia im Fokus

Am Beispiel des Somedia Pressehauses, direkt an der Bautobahn A13 in Chur gelegene und auch von der RhB-Linie aus unübersehbare zeigte Maurus Frei auf, was es vonseiten der Architektur und Generalplanung aus alles braucht, um die Investoren von der Idee zu begeistern und dann Schritt für Schritt die Realisierung voranzutreiben. «Zu diesem Auftrag sind wir gekommen wie die Jungfrau zum Kind», nämlich zur Einladung zur Teilnahme an einem Wettbewerb, bei dem es anfänglich nur um ein Grobkonzept mit den Erschliessungsmöglichkeiten gegangen sei. Daraus sei dann der Auftrag für die Projektierung und Ausführung als Generalunternehmung entstanden. Frei bezeichnete den Bau als «Filetstück» für Chur-West. In der Gestaltung des Vorzeigeobjektes wurde der Philosophie eines Medienhauses völlig Rechnungen getragen: Transparenz, Offenheit und Flexibilität. Die stützenlose Konstruktion erlaubt je nach wechselnden Bedürfnissen interne Verschiebungen der Raumstrukturen – und im Zentrum beeindrucken serpentinenartige Treppenaufgänge, die alles miteinander verbinden. Und zur architektonischen Überzeugungsarbeit hielt der Referent als Schlusssatz fest: «Modellieren ist Zukunft».